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Dr. Wolf, Beckelmann und Partner
CT Abdomen
Nierenzellkarzinom

Anamnese
Der 71-jährige Patient kommt mit der Verdachtsdiagnose auf eine Raumforderung im Bereich der linken Niere zur Abklärung mittels CT. Auf den erstellten CT-Bildern wird ein Nierenzellkarzinom diagnostiziert.
Was ist ein Nierenzellkarzinom?
Das Nierenzellkarzinom ist ein bösartiger Tumor des Nierengewebes, der von unterschiedlichen Zellen des Nierengewebes ausgehen kann. Man teilt das Nierenzellkarzinom histologisch in verschiedene Untertypen ein, z.B. klarzelliger Typ, chromophiler Typ, Spindelzelltyp, u.a. Nierenzellkarzinome vom Klarzelltyp werden als Hypernephrome bezeichnet. Meist ist der Tumor in der Nierenrinde am unteren Pol einer der beiden Nieren lokalisiert und wächst in Richtung Nierenbecken.
Die Anatomie der Niere
Aufgabe der Nieren ist es, Endprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut zu eliminieren. Gleichzeitig kontrollieren die Nieren die Salz- und Wasserausscheidung aus dem Körper und steuern so das Volumen und die Zusammensetzung des Blutes. Die Nieren sind auch für die Bildung verschiedener Hormone (Renin, Erythropoetin, Prostaglandine) verantwortlich.
Abbildung 1:
Anatomie der Niere
Anatomie der Niere
Die beiden bohnenförmigen Nieren liegen rechts und links der Wirbelsäule dicht unter dem Zwerchfell dorsal der Bauchhöhle im Retroperitonealraum. Jede Niere ist etwa 11 cm lang, 6 cm breit, 2,5 cm dick und wiegt etwa 150 g. Die linke Niere reicht etwa vom 11. BWK bis zum 2. LWK, die rechte wegen der darüber liegenden Leber ca. 2 - 4 cm tiefer. Jede Niere ist von einer derben bindegewebigen Kapsel umschlossen. Um die Nierenkapsel herum befindet sich eine kräftige Schicht Fettgewebe, die wiederum von einer weiteren dünneren Bindegewebsschicht umgeben wird. Durch Fettund Bindegewebe wird die Niere an der Bauchwand verankert und vor Stoßeinwirkungen geschützt. An der medialen Seite befindet sich mittig gelegen der Nierenhilus mit dem Nierenbecken, das der Sammlung des aus dem Nierenparenchym kommenden Harn dient. An dieser Stelle befindet sich ebenfalls die Ein- und Austrittsstelle für die Nierengefäße, Nerven, Lymphgefäße und die Harnleiter. Über der Vorderseite der Niere liegt das hintere Blatt des Bauchfells, das Retroperitoneum.
Man unterscheidet in der Niere drei Abschnitte. Innen liegt das Nierenbecken (pelvis), das vom Nierenmark (medulla renalis) umhüllt wird, außen befindet sich die Nierenrinde (cortex renalis). Die kleinste Funktionseinheit der Niere bei der Ausscheidung und der Bewältigung des Wasserhaushaltes ist das Nephron. Es besteht aus dem Nierenkörperchen (corpusculum renale) und einem Schlauchsystem (Tubulussystem). Während die Nieren-körperchen in der äußeren Nierenrinde liegen, durchziehen die Tubuli das Nierenmark und münden in die Nierenkelche. Durch die Nierenarterie gelangt das Blut in das Nierenkörperchen, in denen die Stoffwechselabbauprodukte aus dem Blut abgefiltert werden und damit der Primärharn (Glomerulusfiltrat) gebildet wird. Pro Stunde werden etwa 120 Liter gebildet.
Um diese große Menge zu reduzieren, werden im Tubulussystem Wasser und Salze wieder in den Körper zurückgeführt bzw. resorbiert. Der so konzentrierte Harn gelangt über die Markpyramiden und deren Spitzen, die Nierenpapillen (papillae renales) in die Nierenkelche und fließt dann über die Kelchhälse in das Nierenbecken. Über jeweils einen Harnleiter (Ureter), der neben den Blutgefäßen aus der Niere austritt, verlässt der Harn die Nieren und wird zur Harnblase geleitet.
Welche Symptome kann das Nierenzellkarzinom hervorrufen?
Der Tumor verursacht häufig keine Frühzeichen. Symptome treten meist erst dann auf, wenn bereits eine Ausbreitung des Tumors bis auf das Nierenbecken stattgefunden hat oder der Tumor bereits in die Lymphknoten oder andere Organe (häufig Lunge, Knochen, aber auch Leber und Gehirn) metastasiert hat. Typische Symptome sind die Hämaturie (Blut im Urin), Flankenschmerz und ein tastbarer Befund.
Abbildung 2:
Querschnitt der Niere
Querschnitt der Niere
Meist klagen die Patienten über allgemeine Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Erbrechen, unklare Bauch und/oder Rückenschmerzen sowie Gewichtsverlust.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Therapie ist abhängig von Tumorart und Krankheitsstadium. Entscheidend sind neben der Ausbreitung auch das Alter, der Allgemeinzustand und das Vorliegen von Begleiterkrankungen, die das Operationsrisiko erhöhen. Beim nicht metastasierten Nierenzellkarzinom ist die radikale Entfernung der gesamten betroffenen Niere mitsamt der Fettkapsel und gegebenenfalls der Nebenniere die Standardtherapie. Die medikamentöse Behandlungsform beim metastasierten Nierenzellkrebs ist die Immuntherapie mit Interleukin-2 und Interferon-Alpha, die in neueren Studien gute Behandlungserfolge gezeigt hat. Die Sequenztherapie mit Tyrosinkinase- Inhibitoren zur therapie des Nierenzellkarzinoms zeichnen sich durch ihre zweifach Wirkung aus, zum einen hemmen sie die Zellteilung und zum anderen unterbinden sie die Neubildung von Blutgefäßen, die zur Blutversorgung des Tumors benötigt werden. Tyrosinkinase- Inhibitoren eignen zur Therapie fortgeschrittener Nierenzellkarzinome.

Informationen über aktuelle Behandlungsstrategien und Studien erhält man beim nationalen amerikanischen Krebsinstitut unter:
→ www.cancer.gov.
Untersuchungsprotokoll
1. Patientenvorbereitung
Aufklärung durch Untersucher, Patient alle Metallgegenstände entfernen lassen, intravenösen Zugang legen und an Injektor anschließen.
2. Lagerung
Rückenlage, Kopf bequem in Bodyschale oder Bocollikissen (Achtung: Keine Kopfschale mit Metallschrauben verwenden), Arme über dem Kopf, Gonadenschutz anwenden.
3. Untersuchungsbereich
Kranial der Nebennieren bis kaudal des Nierenparenchyms
4. Kontrastmittel
Art und Menge: nichtionisches RKM 100 ml
Flowrate: 4,0 ml/s
Konzentration: 370 mg J/ml
5. Gerätetyp
Multislice-CT (16)
6. Nachverarbeitung
keine
7. Anmerkungen
keine
Scanparameter
Scanparameter
Abbildungen 4 und 5:
Das Karzinom ist zentral partiell nekrotisiert und infiltriert den linken M. psoas.
Das Karzinom ist zentral partiell nekrotisiert und infiltriert den linken M. psoas Das Karzinom ist zentral partiell nekrotisiert und infiltriert den linken M. psoas

Abbildung 6:
In den im Weichteilfenster ausgespielten Schnittbildern zeigt sich deutlich ein etwa 8 cm großes Nierenzellkarzinom der linken Niere mit Einbruch in die linke Nierenvene.
etwa 8 cm großes Nierenzellkarzinom

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