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Dr. Wolf, Beckelmann und Partner
CT Hals
Speichelsteine (Sialolithiasis)

Anamnese
Der 47-jährige Patient klagt über eine Schwellung im vorderen Mundboden, die bei Nahrungsaufnahme an Größe zunimmt und Schluckbeschwerden verursacht. Er wurde zur Abklärung mittels CT über wiesen. Auf den erstellten CT-Bildern zeigt sich die Sialolithenbildung im Gang der Glandula submandibularis.
Was ist eine Sialolithiasis?
Speichelsteine, so genannte Sialolithen, sind pathogene Hartsubstanzgebilde, die in den großen Speicheldrüsen und ihren Ausführungsgängen vorkommen. Am häufigsten werden Speichelsteine im Ausführungsgangsystem der Glandula submandibularis beobachtet. In der Parotis werden dagegen nur selten Konkremente festgestellt. Der Kern eines Speichelsteines besteht aus anorganischen Subtanzen, vorwiegend aus Kalziumphosphat und Kalziumkarbonat. Um das Zentrum herum sind häufig weitere organische und anorganische Stoffe in onzentrischen Schichten abgelagert. Die Größe dieser Konkremente kann nur wenige Millimeter, aber auch mehrere Zentimeter betragen. Auslöser für die Bildung von Sialolithen können Gangverletzungen, Formanomalien des Gangsystems, Veränderungen in der Zusammensetzung des Speichels durch Erkrankungen wie Gicht, Diabetes mellitus oder erhöhte Kalziumwerte sein. Die genauen Ursachen sind ungeklärt.
Abbildung 1:
Die drei großen Speicheldrüsen
Die drei großen Speicheldrüsen
Die Anatomie der Speicheldrüsen
90 % des Speichels werden von den drei großen, paarig angeordneten Speicheldrüsen produziert. Die Glandulaparotis (Ohrspeicheldrüse) liegt beiderseits vor dem Ohr, die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) im Mundboden unter der Zunge, und die Unterkieferdrüsen (Glandula submandibularis) befinden sich an der Innenseite des Unterkiefers unterhalb der Mundbodenmuskulatur. Ihre Ausführungsgänge münden an verschiedenen Stellen im Mundraum. Darüber hinaus wird der Mundspeichel von einer Vielzahl mikroskopisch kleiner Drüsen in der Wangenschleimhaut, im Rachen und an den Lippen sezerniert. Krankhafte Veränderungen betreffen fast ausschließlich die großen Speicheldrüsen.
 
Die Speichelproduktion wird durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Dabei führt die Erregung des Parasympathikus zu einer reichlichen Absonderung von dünnflüssigem Spülspeichel während die Sympathikusaktivierung die eher mäßige Bildung von dickflüssigem Schleim bewirkt (daher "Mundtrockenheit" bei Aufregung). Die insgesamt 1,5 - 2 Liter Speichel, die täglich gebildet werden, verflüssigen zum einen die von den Zähnen zerkleinerte Nahrung, zum anderen tragen sie aufgrund der Zusammensetzung des Speichels einen Teil zur Nahrungsverdauung bei. Der Speichel besteht zu 99% aus Wasser, der Rest enthält Immunglobuline; diese dienen der Abwehr von Krankheitserregern im Mund- und Rachenraum. Weitere Bestandteile sind Enzyme, die sowohl an der Verdauung beteiligt sind, als auch Bakterien abtöten. Außerdem enthält das flüssigschleimige Sekret verschiedene Elektrolyte wie Natrium und Kalzium. Oft enthält Speichel auch Blutgruppensubstanzen, die eine Blutgruppenbestimmung ermöglichen. Der pH -Wert des Speichels liegt zwischen den Mahlzeiten bei ca. 6,0. Berührung der Mundschleimhaut, Geruch, Geschmack oder schon der Gedanke an ein wohlschmeckendes Gericht führen zur Stimulation der Speichelbildung und der pH -Wert steigt auf 7,0 - 7,5.
Welche Symptome können Speichelsteine hervorrufen?
Die Sialolithiasis kann lange Zeit symptomlos bleiben. Komplikationen zeigen sich oft in wiederkehrenden Schwellungen der Drüse, vorwiegend bei der Einnahme von Mahlzeiten, wenn der Speichelfluss stimuliert wird. Diese Schwellungen können schmerzlos verlaufen, aber auch mit kolikartigen Beschwerden einhergehen. Bei lang anhaltender Gangverlegung durch Konkremente kann es zu einer aufsteigenden Infektion der Drüse kommen, verbunden mit schmerzhaften Schwellungen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Kleine Steine können durch medikamentöse Anregung des Speichelflusses ausgeschwemmt werden. Größere Steine werden mit der so genannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie behandelt, einem Verfahren, das sich schon lange in der Therapie von Nierensteinen bewährt hat. Bei diesem Verfahren, das für den Patienten völlig schmerzfrei ist, werden die Steine mit Hilfe von Schalldruckwellen von außen zertrümmert. Die kleinen Bruchstücke gelangen auf natürlichem Wege mit dem Speichel aus der Drüse. Rund 90% der Betroffenen sind bereits nach einer Behandlung stein- und beschwerdefrei. Alternativ - oder falls die Zertrümmerung nicht funktioniert - können die Steine auch endoskopisch entfernt werden.
Untersuchungsprotokoll
1. Patientenvorbereitung
Aufklärung durch Untersucher, Patient alle Metallgegenstände im Untersuchungsbereich und evtl. Zahnersatz entfernen lassen, intravenösen Zugang legen und an Injektor anschließen
2. Lagerung
Rückenlage, Kopf in Bocollikissen, Arme seitlich am Körper entlang, Gonadenschutz anwenden
3. Untersuchungsbereich
Untersuchungsbereich: Schädelbasis bis Lungenspitze
4. Kontrastmittel
Art und Menge: nichtionisches RKM 100 ml
Flowrate:2,0 ml/s
Konzentration:370 mg J/ml
5. Gerätetyp
Multislice - CT (16)
6. Nachverarbeitungen/Rekonstruktionen
keine
7. Anmerkungen
KM-Gabe auch in 2 Phasen möglich:
1) 50 ml mit 2,0 ml/s, dann 180 s Verzögerung.
2) 50ml mit 1,0 ml/s, Scanstart nach 40 s
Scanparameter
Scanparameter
Abbildung 2 und 3:
In den im Weichteilfenster dargestellten Schnittbildern zeigt sich deutlich ein, möglicherweise auch zwei benachbarte Konkremente in der linken Glandula submandibularis mit Aufstau des intraglandulären Gangsystems. Größe ca. 4 x 6 mm.
Konkremente in der linken Glandula Konkremente in der linken Glandula
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