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Dr. Wolf, Beckelmann und Partner
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Bedeutung und Stärken der MRT

Bei der Magnetresonanztomografie handelt es sich um ein digitales Schnittbildverfahren, bei dem der Patient in ein äußeres, künstlich erzeugtes Magnetfeld gebracht wird. Nach dem Einstrahlen von elektromagnetischen Wellen einer bestimmten Frequenz (Radiofrequenzbereich, daher auch RF-Impulse genannt) wird vom aufnehmenden Gewebe selbst ein Signal ausgesandt. Dieses Signal wird durch die Empfängerspulen (Antennen) aufgefangen, mit entsprechender Elektronik verstärkt, weitergeleitet und mit Computerunterstützung analysiert, um schließlich ein Bild zu erzeugen.
 
Die MRT bietet neben dem Vorteil von multiplanaren Schnittmöglichkeiten einen hohen Weichteilkontrast. Durch die Variationsbreite der Sequenzarten ist es möglich, pathologisches von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Prinzipiell sind die verschiedenen Gewebetypen durch ihr unterschiedliches Kontrastverhalten voneinander abgrenzbar. Mit Hilfe geeigneter Sequenz- und Parameterwahl lassen sich gezielt Gewebearten, wie Fettgewebe oder Knorpel, verstärken oder unterdrücken. Auch die Darstellung von Gefäßen mit und ohne den Einsatz von Kontrastmittel ist mit der geeigneten Sequenzwahl möglich. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber der CT. Neben der morphologischen Darstellung ist die Funktionsdiagnostik ein weiterer Vorteil der MRT. Fünf Beispiele für erweiterte Anwendungsbereiche sollen im Folgenden aufgeführt werden:
 
Kardio-MRT
Ein großer Bereich ist die Kardio-MRT. Neue Sequenzmöglichkeiten gestatten die Beurteilung der Herzfunktion (Beurteilung der Wandbewegung, Erfassung der ventrikulären Funktion mit Berechnung rechts- und linksventrikulärer Parameter und Volumina). Weiterhin sind Flussmessungen und Perfusionsstudien des linken Ventrikels (in Ruhe und unter pharmakologischem Stress) sowie die Diagnose von Herzfehlern und die Koronarangiografie möglich.
 
Schlaganfalldiagnostik
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Schlaganfalldiagnostik. Die Entwicklung von DWI (Diffusion Weighted Images) und PWI (Perfusion Weighted Images) führte hier zu einem deutlichen Fortschritt. Die genannten Sequenzen können die gestörte Blutversorgung und die folgende Mangelversorgung der Zellen schon im Frühstadium erkennbar machen. Wird ein Patient rechtzeitig mit dieser Technik untersucht, kann im günstigsten Fall der Zellschaden durch eine gezielte Behandlung (z. B. systemische Lyse oder intraarterielle Lyse) minimiert werden. Das therapeutische Zeitfenster für die Diagnosesicherung und eine differenzialdiagnostisch angepasste Therapie beträgt 3 bis maximal 6 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome. Neurologisch-Radiologische Zentren mit einer Intensivstation für Schlaganfallpatienten (Stroke-Unit), die eine solche Diagnostik und entsprechende Behandlung bieten, können einen Schlaganfallpatienten optimal versorgen.
 
MR-Spektroskopie
Der dritte Bereich ist die MR-Spektroskopie. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass mit diesem Verfahren Metaboliten-Konzentrationen in Organen des Körpers bestimmt werden können, ohne dass Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten entnommen werden müssen. Die Metaboliten-Konzentrationen wiederum können bei Aussagen über die Funktionalität des untersuchten Organs helfen. So zeigt sich z. B. bei einem Hirninfarkt, bedingt durch den Zelluntergang im betroffenen Areal, ein Absinken der Metabolite Cholin (Cho), Creatin (CR) und N-Acetyl-aspartat (NAA) als Hinweis auf den Defekt.
 
Funktionelle MR-Bildgebung An vierter Stelle sei die funktionelle MR-Bildgebung oder auch fMRI (functional MR-Imaging) genannt. Mit diesem relativ neuen Verfahren lassen sich die Strukturen des Gehirns und ihre jeweilige Beteiligung an den verschiedenen Hirnfunktionen darstellen. Hirnfunktionen – wie Sprechen, Bewegen, Fühlen oder Empfinden – sind Resultate von neuraler Aktivität in bestimmten Bereichen des Gehirns, die mittels der fMRI gemessen und dargestellt werden können. Verletzungen oder Erkrankungen – wie Hirntumore oder Schlaganfälle – können dazu führen, dass bestimmte Hirnbereiche eine Funktion übernehmen müssen, für die sie in einem gesunden Gehirn nicht zuständig sind. Mittels fMRI lässt sich genau darstellen, von welchem/n Hirnareal/en eine spezielle Funktion ausgeführt wird. Diese Information ist wichtig für die Risikoeinschätzung bei einer neurochirurgischen Operationsplanung, einer geplanten Bestrahlung, einer Schlaganfallbehandlung oder anderen Interventionen zur Behandlung von akuten und chronischen Hirnerkrankungen. Die Methode soll in Zukunft die bessere Lokalisation von Krampfanfällen, Verbesserungen in der Behandlung chronischer Schmerzen und zusätzliche Informationen über die Physiologie neurologischer Erkrankungen – wie z.B. Multiple Sklerose oder Morbus-Alzheimer – ermöglichen.
 
MR-Mammografie
Eine fünftes weites Anwendungsgebiet ist die MR-Mammografie. Von ihrer hohen Sensitivität profitieren vor allem Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko oder Patienten mit einem bereits behandelten Mammakarzinom. Rezidive können mit dieser Methode von Narbengewebe differenziert werden (zwischen Operation/Radiatio und Untersuchung sollten sechs/zwölf Monate liegen). Eine weitere Fragestellung für die MRT besteht darin, vermutete Defekte in einem Brustimplantat abzuklären. Hauptnachteil der MR-Mammografie sind die falschpositiven Befunde, die unnötige Nachuntersuchungen und Biopsien verursachen, wie in einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie (NEJM 2004; 351: 427-437) deutlich wird.
 
Trotz der zahlreichen Vorzüge der Methode dürfen die hohen Betriebskosten und die Einschränkung der Anwendbarkeit bei bestimmten Patienten aufgrund inkorporierter magnetisierbarer Fremdkörper nicht übersehen werden. Auch die eingeschränkte Eignung zur Beurteilung von komplizierten Knochenfrakturen sowie der hohe Zeitaufwand für die Untersuchung sind von Nachteil.
 
In der Radiologie ergänzen sich die verschiedenen bildgebenden Verfahren in aller Regel. Orientiert an Indikation, klinischer Relevanz, Kostenfaktor und dem Wohl des Patienten, sollte die Wahl des geeigneten bildgebenden Verfahrens für den erfahrenen Untersucher daher keine "Qual der Wahl" darstellen.
ochfeld MRT-Gerät
Abb. 31: Hochfeld MRT-Gerät, Bildquelle: Siemens AG
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