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Dr. Wolf, Beckelmann und Partner
Konventionelles Röntgen Gelenke
Radiusfraktur

Anamnese
Der 61-jährige Patient ist bei Glatteis auf die überstreckte rechte Hand gestürzt. Er hat nach dem Sturz leichte Schmerzen, allerdings zieht er keinen Arzt zu Rat, sondern geht seiner gewohnten Tätigkeit nach. Nach zwei Wochen empfindet er es als störend, dass Drehbewegungen im Handgelenk noch immer schmerzhaft sind. Er sucht einen Radiologen auf, der zunächst eine MRT mit der Fragestellung Diskus- und Bandläsion anfertigt. Die MRT und die zusätzlichen Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen zeigen eine distale Radiusfraktur ohne Fragmentverschiebung.
Anatomie
Das proximale Handgelenk wird gebildet vom Radius sowie einer Bandscheibe, die vor dem Caput ulnae liegt und der proximalen Reihe der Handwurzelknochen. Der Radius und die Bandscheibe bilden die Pfanne des Gelenkes, der Kopf wird von der proximalen Reihe der Handwurzelknochen gebildet. Das proximale Handgelenk ist ein Eigelenk mit den Bewegungsmöglichkeiten Dorsal und Palmarflexion und Radial- und Ulnarabduktion.
Ursachen für eine distale Radiusfraktur
Mit 25 % aller Frakturen ist die distale Radiusfraktur die häufigste Fraktur überhaupt. Der typische Unfallmechanismus für eine distale Radiusfraktur ist ein Sturz auf die überstreckte oder gebeugte Hand. Bei Menschen unter 60 Jahren entstehen solche Verletzungen häufig durch sportliche Aktivitäten, bei älteren Menschen kann Osteoporose eine Ursache sein.
Abbildung 1:
Anatomie des Handgelenkes und der Handwurzel
Anatomie des Handgelenkes und der Handwurzel
Einteilung der distalen Radiusfrakturen
Die "typische" gelenknahe Radiusfraktur im Bereich der Meta- oder Epiphyse lässt sich einteilen in Brüche des Extensionstyps (Colles-Fraktur) und Brüche des Flexionstyps (Smith-Fraktur) 90% der "typischen" Radiusfrakturen sind Colles-Frakturen. Das distale Fragment samt Hand ist nach dorsal verschoben (= Bajonettstellung). In etwa 50% der Fälle liegt gleichzeitig ein Abriss des Processus styloideus ulnae vor. 10% der distalen Radiusfrakturen sind Smith-Frakturen mit volarer Verschiebung des distalen Fragments. Als Sonderform der distalen Radiusfraktur gilt die Barton- Fraktur. Es handelt sich um eine Fraktur des dorsalen Radiusrandes mit Einstauchung der Gelenkfläche.
Abbildung 2:
Einteilung der distalen Radiusfrakturen in Smith-Frakturen (oben) und Colles-Frakturen (unten)
Einteilung der distalen Radiusfrakturen
Symptome einer Fraktur
Die häufigsten Symptome sind:
 
→ Schwellung
→ Fehlstellung
→ Reibegeräusche
→ Funktionseinschränkung
→ Schmerzen
Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?
Durch eine Röntgenaufnahme in zwei Ebenen lässt sich die Radiusfraktur gut diagnostizieren. Bei besonderen Fragestellungen, wie Gelenkbeteiligung, Diskusläsion und Bandverletzungen, kommen CT und MRT als weiterführende Untersuchungen in Betracht.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung der Radiusfraktur zielt darauf ab, die normale Beweglichkeit des Gelenkes wiederherzustellen. Die Knochenfragmente müssen dafür in ihre ursprüngliche Stellung gebracht werden. Eine Reposition kann sowohl konservativ, als auch operativ erfolgen. In der Regel erfolgt die Reposition unter Röntgendurchleuchtung, um das Ergebnis jederzeit korrigieren zu können. Ist eine achsengerechte und anatomisch korrekte Gelenkstellung erreicht, wird der Arm ruhiggestellt.
 
Konservative Therapie
Nach zufrieden stellender Reposition wird die Fraktur durch einen Gipsverband ruhiggestellt. Die Bruchheilung benötigt durchschnittlich 4 bis 6 Wochen. In dieser Zeit darf das Handgelenk nicht belastet werden. Zur Beurteilung der Frakturstellung und Frakturheilung erfolgen Röntgenverlaufskontrollen nach 3 Tagen, 1, 2 und 4 Wochen. Nach Abschluss der Frakturheilung ist eine Physiotherapie erforderlich, um die Beweglichkeit des Handgelenkes und seine Funktion wiederherzustellen.
 
Operative Therapie
Instabile Frakturen und Brüche bei denen keine zufrieden stellende Reposition gelingt, müssen operativ versorgt werden. Welches Operationsverfahren zur Anwendung kommt, entscheidet der Frakturtyp, die Knochenqualität, die begleitende Weichteilverletzung und das Alter des Patienten.
 
Mögliche operative Verfahren sind:
→ Spickdrahtosteosynthese
→ Plattenosteosynthese
→ Fixateur externe (äußerer Knochenspanner)
Welche Komplikationen können auftreten?
→ Abrutschen der Fraktur
→ Druckschäden durch Gips
→ Pseudoarthrose (Falschgelenkbildung)
→ Morbus Sudeck (reaktive, neurovaskulär bedingte Weichteil- und Knochenveränderung rumpfferner Gliedmaßenanteile als
    Verletzungsfolge, z. B. Fraktur.)
 
Bei operativer Behandlung zusätzlich:
 
→ Gefäß-, Sehnen- und Nervenverletzungen
→ Infektion
→ Metalllockerung
Untersuchungsprotokoll
1. Patientenvorbereitung
Armbänder und Uhren entfernen
2. Lagerung Handgelenk ap
Patient sitzt seitlich am Untersuchungstisch. Unterarm liegt flach in Pronation auf dem Tisch. Fixierung mit Sandsack über Unterarm. Handgelenk liegt mit der volaren Seite in Kassettenmitte. Zentralstrahl senkrecht auf Handgelenk- und Kassettenmitte.
3. Lagerung Handgelenk seitlich
Patient sitzt seitlich am Untersuchungstisch. Unterarm liegt mit der ulnaren Seite flach auf dem Tisch, Fixierung mit Sandsack über Unterarm. Daumen in leichter Oppositionsstellung. Handgelenk in Kassettenmitte gelagert. Zentralstrahl senkrecht auf Handgelenk- und Kassettenmitte.
Aufnahmetechnische Parameter:
Aufnahmeart: Aufnahmetisch
Aufnahmespannung: 50 - 60  kV
Brennflecknennwert: 0,6 (≤ 1,3)
Fokus- Detektor-Abstand: 105 cm
Belichtungsautomatik: ohne
Streustrahlenraster: ohne
Bildempfängerdosis: ≤ 10  μGy, SC 200

Pädiatrische Besonderheiten
Bildempfängerdosis: ≤ 5  μGy, SC 400
Strahlenschutz: Bleigummiabdeckung der unmittelbar anschließenden Abschnitte des Körperstamms
Abbildung 4 - 6:
Rechtes Handgelenk in zwei Ebenen, die Pfeile zeigen auf die Fraktur.
Radiusfraktur  Radiusfraktur  Radiusfraktur
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